Euskirchen-Blog: Das Weblog von Euskirchenern für Euskirchener

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So
15
Okt '06

Erlebnis in einem Stadtcafe

Euskirchen-blog, Erlebnis im Stadtcafe

Neulich hatte ich einen Termin in Euskirchen bei einem Facharzt. Ich hatte für diesen Arztbesuch mehr Zeit eingeplant, als letztlich nötig gewesen war und wollte nun die „freie“ Zeit für einen Stadtbummel nutzen. Es war noch nicht ganz 9:30 und die Euskirchener „Einkaufsmeile“ erwachte gerade erst. Einige Schulkinder (Schulschwänzer?) lärmten an mehreren Stadtarbeitern vorbei, die noch damit beschäftigt waren, den Müll vom Vortag zusammen zu kehren. Sie wirkten genau wie ihr Arbeitsplatz noch ganz abwesend und, Verzeihung, ziemlich lahm und lustlos. Na ja, dachte ich, ich hab´ auch nicht gerade Schwung beim Putzen und mein Blick fiel auf eine bekannte Bäckerei mit Cafe, die im Gegensatz zu ihrer Umgebung Geschäftigkeit und `Gutenmorgeneuskirchenfröhlichkeit` ausstrahlte. Um nicht die 10 Minuten bis zum Öffnen des Kaufhof dumm vor dessen geschlossenen Glastüren herumstehen zu müssen, beschloss ich, mir eine Tasse Milchkaffee zu gönnen. Ich ging ins Cafe und musste feststelllen, dass alle Tische besetzt waren. An den meisten Tischen saß nur jeweils eine Person, und ich beschloß, einen von drei freien Stühlen an einem Tisch mit einer die neueste Ausgabe von Vogue studierenden jungen Lady zu beanspruchen. Ich trat also näher und stellte die übliche, rhetorischen Frage: „Tschuldigung , ist hier noch frei?“ (was ja eindeutig zu erkennen war), und zog schon meine Jacke aus. Äußerst pikiert und misslaunig flötete die junge Schöne : „ Ja, aber nur noch für etwa 10 Minuten, ich erwart e noch einen Geschäftspartner.“ „Oh, das reicht mir, ich wollte nur schnell einen Kaffee trinken und wenn die Bedienung nicht zu lahm ist…“ Dummerweise tauchte diese gerade am Nachbartisch auf und wenn Blicke töten könnten, wäre ich gleich von zwei Schüssen tödlich getroffen umgefallen; wahrscheinlich genau auf den Tisch hinter mir, der voller halbleerer Kaffeetassen und einem Stapel Broschüren und Prospekten eines Reiseunternehmers lag, den zwei heftig diskutierende und fürchterliche Rauchwolken ausstoßende Hausfrauen (?) dort deponiert hatten. Mir lief dieses Szenario blitzschnell vor meinem geistigen Auge ab und ich hätte beinahe laut losgelacht. Ich konnte das laute Lachen gerade noch zu einem schiefen Schmunzeln abschwächen, das sowohl auf Kellnerin als auch auf die Dame von Welt wie ein freches Grinsen wirken musste. Mit einem gemurmelten ´Unverschämtheit´ und einer gekonnten Auf- und Ab- Bewegung der makellosen Schultern ergab sich mein Beauty-Girl seinem Schicksal und räumte demonstrativ langsam ihre umfangreiche Aktenmappe und ihre aus modischen Spaltleder und mit teurem Label versehene Notebookumhängetasche vom Stuhl, den ich Visier hatte.
Nachdem ich mich, noch ganz frei von Einkaufstüten, schwungvoll meiner uralten Jeansjacke entledigen wollte, verfing sich der Umhängeriemen meiner Handtasche in einem Haken des Garderoben-Ständers hinter mir, riss ihn mühelos ob der Kraft, die hinter meiner eleganten Bewegung des Jeansjackenausziehens steckte, um, und er krachte auf eine gläserne Treppenabsicherung. Nein, nein, es ging gut, die Treppenabsicherung erwies sich als stabil und blieb heil.
Mittlerweile hatte ich natürlich die Aufmerksamkeit sämtlicher Cafe-Besucher auf mich gezogen. Um die peinliche Situation etwas zu entschärfen, wollte ich mit einem um Entschuldigung bittenden Blick in die Runde und der witzigen Bemerkung „heute ist wohl nicht mein Tag“ mich aus der Affäre ziehen.. Ich versuchte den umgekippten Ständer wieder aufzurichten, wobei die bis dahin noch hängen gebliebenen Mäntel und Jacken auch noch herunterfielen. Schwitzend und nun doch mit Schamröte im Gesicht (von meinem Humor war nichts mehr übrig geblieben und ich wollte nur noch weg), machte ich mich daran, die Kleidungsstücke nach ihren Aufhängeschlaufen abzusuchen, die natürlich entweder abgerissen oder nicht vorhanden waren. Dann, ganz unerwartet, hörte ich neben mir eine sympathische, männliche Stimme sagen :“ Oh je, Sie Pechvogel, dass kenne ich, so was passiert mir ständig. Warten Sie, ich helfe Ihnen….“ und Ruck-Zuck war der Schaden behoben. Mit rotem Gesicht und schwitzend vor Aufregung murmelte ich ein knappes „Vielen Dank, Sie haben mir gerade das Leben gerettet“ und sah, als ich den Blick hob, in das freundliche Gesicht eines gutaussehenden Mitvierzigers. Der lachte, drehte sich um und rief mit Gehorsam – gewohnter Stimme quer durch das Cafe die Bedienung herbei und verlangte nach einer „guten Tasse Kaffee für die Dame hier, die ist ja ganz fertig.“. Ich wehrte ab und erwähnte den erwarteten Geschäftspartner der jungen Dame, die seltsamerweise nun ganz kleinlaut, ja fast ängstlich drein schaute. „Ach nein, wir sind sowieso schon spät dran, meine Sekretärin muss nun wohl doch ihr Frühstück im Auto zu sich nehmen“ kam es zurück.
Mit schadenfrohem Blick auf die `Tippse ` setze ich mich auf den hurtig freigeräumten Stuhl und ich bedankte mich bei der Kellnerin für den auf wundersam schnelle Weise hergezauberten Kaffee. Ich trank ihn mit Genuss, obwohl ich eigentlich mehr Lust auf einen Milchkaffee hatte, aber über solche Kleinigkeiten kann ich großzügig hinwegsehen.
Nachdem „die Dame“, sprich ich, ihren Kaffee störungsfrei getrunken, ihre Jeansjacke ohne Unheil anzurichten wieder angezogen hatte, gab ich der Kellnerin ein großzügiges Trinkgeld mit der Bemerkung: „Für Ihre großartige Unterstützung“ und fiel zum zweiten mal an diesem Vormittag tödlich getroffen auf den Tisch hinter mir.

Do
12
Okt '06

ulysses in euskirchen

solch eine trostlose wüste wie dieser euskirchen blog ist das städtchen nun doch nicht. es wird zeit, dass hier einmal etwas heiteres erzählt wird. selbst wenn auch das niemand bemerken oder gar kommentieren sollte, schon das erzählen macht mir spass.
ich war gerade mal 2 jahre wieder in euskirchen ansässig und noch gar nicht sicher, ob das was würde mit mir und der kleinstadt. vor allem die eingeborenen begegneten mir freundlich ausgedrückt zurückhaltend. aber es gab eben auch anderes.
ich hatte irgendein ereignis in bonn (vielleicht salsatanzen) hinter mich gebracht und fuhr als eine von ganz wenigen fahrgästen mit dem letzten zug nach hause. ein paar tage vorher hatte ich mir die jubiläumsausgabe des ulysses von james joyce gekauft. ein richtig dicker schinken, den ich auf dieser rückfahrt in angriff nahm. ich parke mein auto immer am bahnhof kuchenheim, von dort aus bin ich am schnellsten zuhause.
als ich im auto saß und gerade die rücklichter des zuges verschwinden sah, bemerkte ich, dass ich das buch im zug liegengelassen hatte. da ich wußte, dass euskirchen die endstation war, fuhr ich durch das nächtlich ausgestorbene euskirchen zum bahnhof euskirchen. auch dort alles zu, alles leer, kein mensch zusehen.
aber im “tower” des bahnhofs etwas abseits vom bahnsteig brannte ganz oben noch licht. vorsichtig stapfte ich auf diesen hoffnungsschimmer zu und fand auch tatsächlich an einer tür eine klingel, die nur ahnen liess, dass sie ihren dienst noch tat. es passierte zunächst nichts, noch ein klingelversuch, wieder nichts. ich wollte schon ein paar schritte zurückgehen und rufen, da tönte es frisch wie am morgen aus einer gegensprechanlage: ” watt hammer denn, liebsche?” das klingt mir noch heute warm in den ohren.
ich berichtete brav von meinem malheur und stiess offensichtlich auf verständnis, denn ohne ein wort der verwunderung oder gar des vorwurfs, warum ich wegen eines buches solch einen zinnober veranstaltete, sagte die stimme, dass der zug schon in den händen der reinigungskräfte sei und beschrieb mir den abenteuerlichen weg über die schienen zu der halle. mittendrin unterbrach sich der besitzer der stimme, befand das unternehmen in der form für zu gefährlich und hiess mich einen moment warten. ich hörte ein undeutliches gespräch im hintergrund und bekam schliesslich den bescheid, ich würde abgeholt.
und tatsächlich tauchte wenige augenblicke später aus dem dunkel ein ganzer zug, einer von diesen roten schienenbussen, auf, hielt neben mir und ich wurde aufgefordert, zum fahrer einzusteigen. so kam ich unverhofft zu einer exklusiv für mich veranstalteten zugfahrt durch die nacht – wenn auch nur ein paar meter. die szene hatte etwas ausgesprochen skurriles an sich. das buch, der auslöser des abenteuers, fand sich nicht bei unseren recherchen, ich hatte es auch schon fast vergessen, weil sich die suche so ungewöhnlich gestaltete. ich hoffe, es hat dem neuen besitzer viel freude bereitet.
ich fuhr auf dieselbe art zurück in den bekannten teil des bahnhofs, bedankte mich artig beim fahrer und bei der netten stimme und fuhr mit dem vagen gefühl, eine gewisse bedeutung erlangt zu haben, nach hause.