Euskirchen und sein Bahnhof

Euskirchen – die Kreisstadt für einen Teil der Eifel, ist aus der Sicht einer vor 20 Jahren „zugezogenen“  Bewohnerin aus dem Umland, eine nette Kleinstadt, die über gute Bus- und Bahnverbindungen,  eine für mittleren Ansprüchen ausreichende Geschäftswelt und soweit ich das beurteilen kann,  über eine befriedigende, ärztliche Versorgungslage verfügt. Auch das Angebot an Schulen, Arbeitsplätzen, handwerklichen Fachbetrieben, sowie die Lage auf dem Wohnungsmarkt, scheinen ganz aktzeptabel zu sein. Allerdings muss ich eingestehen, dass ich nur sehr oberflächlich informiert bin, es ist mein persönlicher Eindruck.

Ich fahre gern hierher zum Shoppen, finde hier meine Fachärzte, nette Restaurants, ab und zu ein ansprechendes „kulturelles“ Ereignis und , für mich persönlich das Wichtigste, eine gute Bahnverbindung nach Köln und Bonn und es ist aus dem ländlich Umkreis gut zu erreichen, sofern man in einem Ort mit Bahnhof wohnt.

Und somit bin ich beim Thema: die Bahn und der Bahnhof. Ich will einmal gar nicht auf die Preise der B-Bahn eingehen, die sind sowieso unbeschreiblich, sondern auf die Zustände auf und um dem Bahnhof herum und in den Nahverkehrszügen selbst. Die Anhäufung von Müll und Menschen, die diesen Müll verursachen, hat m.E. sehr stark in den letzten Jahren zugenommen. In den Zügen ist es manchmal so verdreckt, dass man lange nach einem einigermaßen sauberen Sitzplatz suchen muss. Überhaupt muss man lange nach einem solchen suchen, weil in den Stoßzeiten viel zu kleine Zugeinheiten eingesetzt werden. Aber am schlimmsten finde ich das Drumherum am Bahnhof. Viele Baumaßnahmen haben das Bild auf dem Bahnhofvorplatz und der angrenzenden Häuserfassade zum Vorteil verändert. Der Bahnhof als Gebäude ist auch einer Kleinstadt würdig, aber auffallend sind der viele, trotz vieler Abfallbehälter, herumliegende Müll und, wie gesagt, die Menschen, die ihn verursachen.

Man hat ein mulmiges Gefühl, wenn man sich nach Geschäftsschluss an mehreren Gruppen von lärmenden, um nicht zu sagen, randalierenden, teils verkommen aussehenden Menschengrüppchen vorbeigeht, um zum Bahnsteig zu gelangen. Bisher bin ich zwar noch nie belästigt worden, aber ich bin immer froh, wenn ich vorbei bin.

In den Zügen selbst das gleiche Bild, Müll, Schmutz und ungehobelte, laute, zerstörend auf die Einrichtung losgehende Jugendliche. Ich möchte meinen, dass die Stadt und die Verantwortlichen der Bahn jetzt unbedingt reagieren müssten, damit sich diese Situation nicht verfestigt. Wie viele Großstadtbahnhöfe sind schon so heruntergekommen, dass man regelmäßige Polizeistreifen notwendig sind, um die Bahnbenutzer vor Übergriffen zu schützen. Das sollte doch in Euskirchen nicht auch soweit kommen. Es gibt bestimmt geeignete Maßnahmen seitens der Polizei und der Stadt, diese vor-kriminelle Szene zu entzerren.

Aber auch der „Normalbürger“ ist  verpflichtet, etwas mehr Zivilcourage zu zeigen. Wenn mehr Leute etwas sagen würden, wenn sie Zeugen einer Verschmutzung oder Zerstörung werden, wäre das  sicherlich eine unterstützende Maßnahme, der zunehmenden Rücksichtslosigkeit dieser Rowdies zu begegnen. Die beliebte Ausrede „da bekommt man ja nur selbst einen auf den Hut“ ist feige und ausserdem nicht immer richtig. Wenn in einem Zugbateil 3, 4 oder 5 Jugendliche unter den Augen von 10 oder mehr erwachsenen Mitreisenden ihre Zerstörungswut und ihr schlechtes Verhalten unkommentiert fortsetzen können, dann stimmt etwas mit den „ordentlichen“ Leuten nicht. Mit Sicherheit wären diese Halbstarken gegenüber  einer geschlossen Front Normalbürger  mit ein paar scharfen Worten und der Bereitschaft zum Handeln zumindest vorübergehend zum Einhalten zu bewegen. Wenn jedoch ungestraft und unbehelligt weiter randaliert werden kann, werden aus schlechten Manieren kriminelle Handlungen.

Wir sollten keine Ambitionen zur Selbstjustiz entwickeln, jedoch eine geschlossene, solidarische Haltung gegenüber der Verrohung einnehmen und diese auch äußern.

In diesem Sinne : ein frohes Neues Jahr !

 
Kalli, im Januar 2007